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Lebendige Erinnerungskultur
 
Do, 24.10.2019, 19.00 Uhr, Stadtkirche Bayreuth, Kirchplatz, Bayreuth
 
 Mit Schubkarre, Fahrrad und Lutherbibel - ein oberfränkisches Pfarrerleben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts"
 Pfarrer Wilhelm Forster (von 1936 bis 1947 Pfarrer an der Stadtkirche Bayreuth) in Lebenserinnerungen und Archivzeugnissen
 
 Mit der Schubkarre musste er als Pfarrer in Münchberg in den 1920er Jahren jeweils im Oktober bei den Bauern Kartoffeln, Korn und Flachs abholen. Sein "Besoldungsholz" für den Ofen musste er selbst spalten. Diese Naturalien waren Teil seiner Bezahlung, ihr Wert wurde vom Gehalt abgezogen. Für den Oberpfälzer Bauernbuben Wilhelm Forster, Jahrgang 1891, war es nicht unbedingt das, was er nach seinem Theologiestudium, das durch vier schwere Jahre Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg unterbrochen worden war, von seinem Beruf erwartete. Und dass er Mitte April 1945 zwischen seinem Arbeitsplatz im Luftschutzkeller des Bayreuther Dekanats und der Familien-Notunterkunft in Heinersreuth mit dem Fahrrad pendeln musste, immer in der Angst vor Tieffliegern, das gehört auch nicht in die Tätigkeitsbeschreibung eines evangelischen Pfarrers.
Zu Beginn seiner Laufbahn hatte er neue Kirchengemeinden zu gründen, in München-Moosach und in Ahornis bei Münchberg. 1927 kaufte er sein erstes Radio, 1931 bekam er ein Dienst-Motorrad für den Außendienst und 1932 ein Telefon. Als er 1936 nach Bayreuth berufen wurde, war die Evangelische Jugend schon in die Hitlerjugend bzw. den Bund Deutscher Mädchen integriert. Die sogenannten "Deutschen Christen" lehnten ihn ab, weil sie einen braun-evangelischen Nazi-Pfarrer haben wollten für ihre Kirche, die Spitalkirche in Bayreuth. Nach den Luftangriffen auf Bayreuth musste er hunderte von Toten beerdigen und zusehen, wie Bayreuth ausbrannte, weil es keine Feuerwehr und kein Wasser mehr gab. Und nach dem Ende des Dritten Reichs sollte er Persilscheine für das Entnazifizierungsverfahren ausstellen.
Der Zweite Weltkrieg und die Gemeindearbeit in der Nazi-Diktatur haben drei der Pfarrer der Bayreuther Stadtkirche so ausgebrannt und erschöpft, dass sie sich nach Kriegsende auf kleinere Pfarrstellen versetzen ließen. Der vierte war im Kriegseinsatz und wurde im Juni 1945 tot in Wittenberg gefunden. Wilhelm Forster wurde 1947 Pfarrer in Seukendorf bei Fürth.
Pfarrer Wilhelm Forster hat Erinnerungen geschrieben, aus denen eine seiner sieben Enkel, Claudia Herrmann, die in Bayreuth geboren und aufgewachsen ist, zitieren wird. Ernst Dohlus wird ihn lebendig werden lassen und die sozialen und politischen Bedingungen eines Pfarrerlebens in Oberfranken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachzeichnen.
 
Referenten: Ernst Dohlus, Wirtschaftswissenschaftler, Medienmanager und Journalist, München, Claudia Herrmann, Diplom-Psychologin, München
Kosten: Eintritt frei, Spenden erwünscht
Kooperation: Historischer Verein für Oberfranken, Stadtkirche Bayreuth , Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW)
 
 
 
Weitere Veranstaltungen:
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